Inzwischen ist gut ein 3/4 Jahr vergangen seit ich von M-Audio das digitale DJ-System Torq + Conectiv erworben habe. Zeit also das Ganze mal aus Praxiserfahrung und im Kontext neuer Konkurrenzprodukte zu bewerten und Tacheles zu reden.
Mein Review bezieht sich auf das Vinylpackage. Zum Xponent-System kann ich mangels Erfahrung keine Aussage machen.
Meinen ersten Eindruck von damals kann man HIER nachlesen.

PRO
Was hat sich bewährt und wo können Conectiv und Torq punkten:
- Interface der Torq-Software: Die Ableton Live ähnliche Gestaltung des Interfaces hat sich vor allem im Club Kontext sehr gut bewährt. Alle Regler sind deutlich zu erkennen, die Titelanzeige ist gut zu lesen und vor allem die Trackdarstellung ist überaus gelungen. Man weiss jeder Zeit aus jedem Blickwinkel wo man sich im Track befindet und kann sehr sauber auf die Breaks mixen. Der deutliche Beatgrid ermöglicht zudem auch ohne laufende Beats zielgenaues Mixen, so dass man z.B. zwei Tracks gleichzeitig aus einem Break zusammenmixen kann. Die Darstellung ist meiner Meinung nach die Beste der auf dem Markt befindlichen DJ-Softwares.
- Conectiv Hardware: Die externe Soundkarte Conectiv ist stabil und hält auch dem einen oder anderen Bierspritzer im Club stand. Die Anschlüsse sind deutlich genug zu erkennen und die grossen Drehregler auf der Oberseite optimal um zwischen echtem Vinyl und MP3s umzuschalten. Die Verkabelung im Club ist erstaunlich unkompliziert und auch trotz widriger Verhältnisse und vier Bier intus zu machen.

Auch ohne Torq ist Conectiv eine gute externe Soundkarte mit ordentlichen Aus- und Eingängen für den mobilen Musiker, die sich ohne Probleme z.B. in Ableton verwenden lässt.
- Stabilität: Ein ganz wichtiger Punkt. Mir ist Torq in 9 Monaten kein einziges Mal abgestürzt. Ob auf Privatparties im 10 Stunden Einsatz oder auf Clubgigs aus dem Macbook-Schlafmodus heraus. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen.
- Effekte/Sampler: Die eingebauten Effekte sind für den Liveeinsatz durchaus mehr als blosser Schnickschnack sondern werten mit einstreubaren Samples einen Act durchaus hörbar auf.
- Midi: Die Midi-Funktionalität ist für mich ein eindeutiges Plus. Über einen externen Controller lassen sich z.B. Cuepoints ansteuern, Loops setzen und die Effekte ein-und ausblenden, sowie bearbeiten. Ich persönlich benutze dazu meinen Korg MicroKontrol bei dem ich die Pads mit Cuepoints und Loopfunktionen, die Fader und Potis mit Effekten und die Tasten mit Samples belegt habe. Die Einrichtung in Torq ist super einfach und der Nutzen im Club hoch.
CONTRA
Was nervt und wo könnte M-Audio nachbessern:
- Informationspolitik von M-Audio: Was M-Audio da gerade veranstaltet (oder eben nicht) würde ich als studierender Kommunikationsmanager als PR-Katastrophe bezeichnen. Zwar haben sie ein Forum für die User eingerichtet, jedoch halten sich Mitarbeiter eher bedeckt bis unsichtbar. Auf Anfragen oder Wünsche wird kaum reagiert. Kritik ignoriert.
Kurzum: M-Audio tut eigentlich gar nichts um seinen Kunden zu halten, was umso dramatischer ist, als diese die Early Adoptor sind und durchaus als meinungsbildende Multiplikatoren funktionieren, die andere zum Kauf ermuntern. Ich persönlich fühle mich im Stich gelassen und werde in Zukunft bei M-Audio dreimal nachdenken bevor ich ein Produkt kaufe oder empfehle.
- Updatepolitik: Hängt mit der Informationspolitik zusammen. Über Updates wird kaum informiert, wenn überhaupt ein Update kommt. Das Produkt ist nun seit etwa einem Jahr auf dem Markt und es gab bisher zwei Updates, die Bugs gefixt haben. Irgendwann Ende Januar 2008 soll dann das Update auf die Version 1.5 kommen, dass einige Änderungen mitbringt. Nur ein Teil der wichtigsten geforderten Features scheint in diesem Update berücksichtigt zu werden und das erst nach einem Jahr. Das ist zu wenig! Vor allem bei einem Produkt bei dem intuitive Bedienung und Systemstabilität eine große Rolle spielen, wären regelmässige Updates oder zumindest eine Roadmap über geplante Updates wünschenswert.
- Interface: So intuitiv das Interface der Torq-Software ist, es ist für die Kombination mit Kontrollvinyl noch zu überladen. So lässt sich der interne Mixer in der aktuellen Version nicht ausblenden, den man bei Benutzung eines externen ja nun wirklich nicht braucht. Das wird in der Torq Version 1.5 möglich sein, freiere Gestaltung wie bei Traktor wäre aber der Bedienung sehr zuträglich.

- Browser: Der Browser ist ziemlich die größte Schwäche der aktuellen Torq Version. Ihm mangelt es vor allem, trotz guter Suchfunktion, an Übersichtlichkeit und Ergonomie. Playlists lassen sich nur umständlich erstellen, es gibt kein Drag & Drop, Baumstrukturen sind unübersichtlich und die Anordnung der Spalten lässt sich nicht ändern.
Durch die Schnittstelle zu ITunes lassen sich einige dieser Punkte aushebeln, aber dennoch macht das Vorbereiten von Sets keinen Spass, geschweige denn ist es ein kreativer Prozess. Da muss einiges passieren!

- Aktualisierbarkeit der Track Informationen: Wenn man seine Tracks über ein externen Programm oder die ITunes Schnittstelle verwaltet und Änderungen an den Dateiinformationen, wie z.B. Tracknamen vornimmt, akualisiert Torq diese nicht. Die Lösung ist die Löschung der gesamten Torq Datenbank und der Trackinformationsdatei (*.tqd) von Torq. Damit gehen nicht nur die angelegten Cuepoints des Tracks verloren, man muss auch die Datenbank neu initialisieren lassen. Das ist so auf Dauer keine Lösung.
- Tastenbelegung: Im Prinzip lässt sich alles in Torq frei belegen, bloss die wichtigste Funktion nicht: Tracks laden. Das geht zwar auch über Drag & Drop, aber wer gerne Tasten drückt, was im Clubkontext auch schneller geht, muss F1 oder F2 drücken. Diese stehen jeweils für das linke oder rechte Deck. Da es momentan keinen “Überschreibschutz” gibt, kann es im Eifer des Gefechtes schonmal passieren, dass man einen laufenden Track neulädt. Definitiv ein Floorkiller. Lösung wäre hier freie Belegung der Ladetasten via Keyboard oder Midi oder ein Schreibschutz, so dass man den laufenden Track erst stoppen muss, bevor ein neuer geladen werden kann.
- Drifting: Von mehreren Usern bemängelt und auch bei mir bemerkbar: Torq läuft scheinbar nicht absolut synchron. Klingt erstmal dramatisch, aber ist eher ärgerlich als eine massive Produktschwäche, zumal die Ursache nicht eindeutig aufgedeckt ist. Das Drifting äussert sich in leichtem Auseinanderlaufen perfekt gepitchter Tracks nach einiger Zeit. Lässt sich mit leichtem Nachpitchen beheben, man muss aber aufmerksam bleiben.
- Und sonst?: Ein guter Anlaufspunkt ist das Torq-Forum. Wer Hilfe (von Usern!) braucht oder sich über das Produkt informieren will, findet dort eigentlich alle Infos.
FAZIT
Trotz Schwächen bin ich nach wie vor mit Torq + Conectiv zufrieden. Die Stabilität und intuitive Bedienung sind im Vergleich zur Konkurrenz absolut hervorzuheben, so dass ich weiterhin mit einem sicheren Gefühl mit diesem Produkt in den Club gehen kann.
Aber M-Audio muss am Ball bleiben und dringend auf seine Zielgruppe hören, sonst verspielen sie nicht nur die Vorschusslorbeeren mit denen sie ausgestattet wurden, sondern ihre potentiellen- und Bestandskunden.
10 Kommentare »
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Zu dem Drift: Wenn die Timecodes vom Vinyl kommen, dann ist der Drift doch der leichten Laufunregelmäßigkeit von Plattenspielern geschuldet. Und bei richtigem Vinyl muss man ja auch immerwieder nachhelfen, damit alles synchron bleibt …
Kommentar von johan — 28. September 2007 #
sorry, johan, aber das stimmt einfach nicht. bei serato z.b. gibt’s mit kontrollvinyls keinen drift, und es gibt auch djs, die platten synchron fuer 4 oder 5 minuten laufen lassen, ohne ein einziges mal nachkorrigieren zu muessen!
Kommentar von robotic — 1. Oktober 2007 #
wie geschrieben: woher das genau kommt, weiss ich nicht und es scheint auch nur einigen djs als nervig aufzufallen.
hier ist der thread im forum dazu:
http://www.torq-dj.com/forum/viewtopic.php?t=3614
Kommentar von Matthias Kandel — 1. Oktober 2007 #
Kann Kritik und Lob von Matthias voll zustimmen. Nutze Torq auch seit einem halben Jahr und habe exakt die gleichen Erfahrungen gemacht. Stabilität ist hervorragend, null Abstürze bei x Clubeinsätzen bisher. Aber vor allem das Playlisten-Bauen ist tatsächlich dermaßen unsexy, dass man es in der Praxis meist gleich sein lässt und ohne Playlist spielt. Eine weitere grosse Schwäche ist, dass die Trackreihenfolge von iTunes-Listen nicht übernommen wird – all die feinen Playlisten müssen also in Torq ein weiteres mal nachgebaut werden :-( Ansonsten klare Empfehlung. Allein in meinem Umfeld hab ich in sechs Monaten vier Leute angesteckt, die jetzt auch Torq nutzen – und genauso zufrieden sind.
Kommentar von Lexy — 16. Oktober 2007 #
das größte Manko wird sein dass das Update auf das nächste Major-Update kosten wird!! Gabs mal irgendwo im Torq-Forum zu lesen…
Find ich einfach ne Frechheit, ok, Torq+Conective hat nur ~300€ gekostet, aber dann die User als beta-tester zu missbrauchen und für das erste richtige Update Knete zu verlangen ist irgendwie nicht drin!
Traktor3 hat mittlerweile das 3. Majorupdate bekommen, für lau…
außerdem ist die Soundqualität des durchgeschleiften Phono-Signals unter aller Sau; hatte das Conectiv mal in nem Club zwischengesteckt und wurde erstmal prompt vor den Kopf gestoßen warum denn die Tinqualität so schlecht wär, von der Lautstärke einmal ganz zu schweigen!
nuja denn, ich hab jetzt TS+T3 und bin mehr als zufrieden!!
Kommentar von hazett — 11. November 2007 #
[...] auf Kandel gibt es einen Erfahrungsbericht zu M-Audio Torq: [...]
Pingback von digital DJing | Scheckkarte Als Passion — 10. März 2008 #
Mit Version 1.06 hat M-Audio nun einige Wünsche bereits berücksichtigt. Wenn auch zum Teil nur sehr versteckt über die Konfigurationsdatei.
Torq 1.5 kommt demnächst und soll 39 EUR als Upgrade kosten laut Musikmesse FFM.
Kommentar von Alex — 13. März 2008 #
@ Johan kauf dir mal 1210er ;) da muss man nicht nachhelfen wenns 1x passt.
@ Topic: Ich würde nie zur software greifen. Hab mehr spaß damit 12″ und cds zu mixen als mp3s… CDJ 1000 vs 1210 mk5 rockt!
Kommentar von Dr.gonzo — 15. April 2008 #
@Dr Gonzo:
Das Pitchproblem hat man auch mit 1210ern.
Zu den MP3s: Du kaufst also keine bei Beatport und Co. und brennst diese dann auf CDs ?
Kommentar von Spacestation — 6. Juli 2008 #
Also ich nutze es schon seit über einem Jahr und bin ein wenig enttäuscht!
Erst Probleme mit der ersten Baureihe, dann sehr unstabil, letztes WE sogar gar keine Chance es zum laufen zu bringen…naja….allerdings kann ich die “Drift”-Problematik nicht bestätigen!
Kommentar von Firebird — 25. August 2008 #