Lange Zeit habe ich die Fahne für die Digital Vinyl Solution (DVS) Torq + Conectiv von M-Audio hochgehalten, mich pro-aktiv als guter Opinion Leader betätigt und das Produkt an Freunde und Bekannte weiterempfohlen.
Nun bin ich auf Traktor Scratch der Berliner Firma Native Instruments (NI) umgestiegen.

Warum?
Aus Gründen, die mit meinen persönlichen Nutzungsgewohnheiten zu tun haben und aufgrund der Produkt- und Kommunikationspolitik von M-Audio.
Doch das Gute zuerst: Torq ist mir in mehr als einem Jahr nur ein einziges Mal abgestürzt und in der Situation hingen vier externe Wechselmedien an einem USB-Port. Kurzum, Torq ist auf dem Mac eine sehr stabile Plattform. Das Audiointerface Conectiv genügt meinen Ansprüchen völlig. Die acht Ein- und Ausgänge des Audio8-Interfaces von NI werde ich niemals alle nutzen und die Wellenformdarstellung von Torq gehört für mich zu den Besten der DVS.
Downgrade als Upgrade
Torq hat zahlreiche Zusatzfunktionen wie Effekte, Loop, einen Sampler mit 16 Slots, Midisteuerung und vieles mehr. Die kommende Version 1.5 rüstet an dieser Stelle nochmal nach und erweitert die kreativen Möglichkeiten des digitalen DJings mit Abletonmässigem Warping und vielem mehr.
Die Frage ist, braucht man das? Ich für meinen Teil brauche diese Funktionsvielfalt nicht. Mir reicht eine gute Selection und solides Mixing als musikalisches Ausdrucksmittel. Deswegen back to the basics mit Traktor Scratch, dass sich mit einem guten Browser, einem aufgeräumten Display ganz auf das klassische DJing konzentriert.
Problematisch für Torq ist sicher auch die Auslegung als Hybridsoftware für Vinylcontrol und digitales Auflegen via Xponent. Während NI mit Traktor und Traktor Scratch für die verschiedenen Anforderungen optimierte Software bietet, muss M-Audio einen Kompromiss vereinen.
Vinyl-Digital in einem Set
Lautstärkeunterschiede zwischen Vinyl und digitalen Dateien gibt es bei jeder DVS, bei Torq sind sie jedoch stärker als bei den anderen Systemen. Wer also während eines Sets oft zwischen Analog und Digital switcht, muss ständig massiv nachregeln.
Customer Relationship
Für seine Kundenpflege bekommt M-Audio von mir die Note mangelhaft. Die Marketingabteilung des Unternehmens hat von den Begriffen After Sales Marketing oder Customer Relationship Management scheinbar noch nie was gehört. Im Kurzen geht es darum, dass der Kunde auch nach dem Kauf ein Kunde bleibt und mit Services und Informationen dem Unternehmen wohlgesonnen bleiben soll, um auch weiterhin Produkte des Unternehmens zu kaufen.
Wie man in Anbetracht eines kostenpflichtigen Upgrades auf die Version 1.5 eine so schlechte Kommunikationspolitik fahren kann, ist mir schleierhaft. Der Termin wird nur ungenau bekannt gegeben, lange gab es gar keine Informationen über die Zukunft des Produktes, die Betreuung im Forum ist dürftig. Wer sich also nicht selbst um Informationen bemüht hat, hat von M-Audio gar nichts mehr mitbekommen.
Native Instruments setzt was Kundenpflege angeht weitaus bessere Akzente, was mir als Marketing-Kommunikationswirt positiv auffällt.
Erkenntnis
Torq ist für den Preis ein solides und leistungsfähiges System. Wer mit dem schlechten Support von M-Audio klarkommt, die vielen Zusatzfunktionen wirklich nutzen will und dem die Hardwareaspekte ausreichen, ist damit gut bedient.
Ich habe mich stattdessen jetzt für ein funktional-reduziertes System mit Profianspruch von Software bis Hardware entschieden und werde damit in Kürze endlich einen neuen Mix fertigstellen. Zeit wird’s.
7 Kommentare »
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na, soweit ich mich erinnern kann matze, gabs öfters probleme mit torq als nur einmal. auch die umstände (nadeln, plattenspieler, kabel von plattenspielern, etc)gehören zur komplexen konstellation des digitalen auflegens, und nachdem da mit deinem torq öfter was schief ging hatte ich das gefühl, dass die anderen digital dj devices (serato, traktor, etc) mit diesen externen problemen besser klarkommen.
Kommentar von Manuela Grabowski — 28. März 2008 #
ja nun. gefühl nützt bei einer aussagekräftigen einschätzung relativ wenig. getestet haben wir die systeme in bestimmten problemsituationen nie im vergleich.
natürlich ist es fakt, dass serato und traktor von der hardware überlegen sind. ist ja auch eine ganz andere preis- und professionsklasse.
wie gesagt, für den preis ist torq eine gute anlage, die ich über ein jahr effizient nutzen konnte.
Kommentar von Kandel — 28. März 2008 #
ach, paperlapapp
Kommentar von Manuela Grabowski — 28. März 2008 #
wenn dir dein serato vor 400 grölenden leuten abstürzt, wird dir das lachen noch vergehen, liebe manuela.
hähä.
Kommentar von Kandel — 28. März 2008 #
im gegensatz zum torq ist das bisher noch nicht passiert, lieber matthias
hähä
Kommentar von Manuela Grabowski — 28. März 2008 #
warum müssen alle leute, die was mit medien zu tun haben immer so hochgestochen schreiben? klar – du hast es halt studiert, is auch jut so. schmeckt aber schon sehr nach plastik und is langweilig. die infos sind jut und darum gehts ja eigentlich. also alles in allem machste das schon jut. weiter so. nen profil brauchste aber noch, ecken und kanten, weisst was ich mein (imo) ;) grüsse nach berlin INGO
Kommentar von ingo — 17. April 2008 #
Ich wollt früher auch lieber Final Scratch, hab dann allerdings mal miterlebt wie die Sch*** schön vor Publikum abgestürzt ist, Laptop tot, zwei Minuten Stille, volles Programm.
Und das ist mir mit Serato in zwei Jahren tatsächlich noch nie passiert (und ich stecke das Ding manchmal im laufenden Betrieb um).
Jemanden der Torq benutzt kenn ich gar nich… Torq und Serato verhält sich zueinander wahrscheinlich wie Gemini zu Vestax ;)
Grüße aus Treptown
Kommentar von Ning — 27. April 2008 #